Folgestudie jetzt in Arbeit

Aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse bei Blasenspülungen mit hochdosiertem Eschenmistel-Extrakt bei oberflächlichem Blasenkrebs wurde jetzt eine große prospektiv, multizentrische, offene, zweiarmige, randomisierte Studie begonnen. Beteiligt sind 31 urologische Zentren in Deutschland und eines in Kairo. Eine Übersicht, was geplant ist und wo, findet sich in einer Veröffentlichung der Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie. Hauptstudienziel ist die Zeit, bis erneut ein Tumor auftritt. Zusätzlich wird geprüft, wie sicher und verträglich die Therapie ist, mit welcher Wahrscheinlichkeit nach einem Jahr ein Rezidiv auftritt oder die Krankheit fortschreitet, ob sich der Tumor in seiner Aggressivität verändert und wie sich Lebensqualität entwickelt. 

Die Misteltherapie wird hier mit der Standardtherapie mit Mitomycin verglichen. Die Nachbeobachtungszeit beträgt 12 Monate. Es sollen insgesamt 546 Patienten eingeschlossen werden. Wenn zwei Drittel der Patienten die zweijährige Studienzeit (ein Jahr Therapie, ein Jahr Follow-up) erreicht haben, ist eine Zwischenauswertung geplant. Zeigt sich, dass eine der beiden Therapien deutlich mehr Erfolg hat als die andere oder dass die Misteltherapie versagt, wird die Studie vorzeitig beendet und die Ergebnisse veröffentlicht.

Diese Studie ist im Frühjahr 2015 gestartet und soll die erforderliche Anzahl an Patienten innerhalb von zwei Jahren erreichen. 

Es ist die weltweit erste Studie, in der ein Mistelpräparat mit einer herkömmlichen Standardtherapie bei Blasenkrebs verglichen wird. 

Die Mistel bei Blasenkrebs

Dieses Jahr sind drei Studien zur Misteltherapie bei Blasenkrebs veröffentlicht worden: 
 

Subkutane Misteltherapie

Eine retrospektiv angelegte Studie an der Ambulanz der Alexander-von-Humboldt-Klinik in Bad Steben betrachtete rückwirkend 11 Patienten mit konventionell behandeltem Blasenkrebs, die sich zwischen Januar 2006 und Dezember 2012 einer Misteltherapie mit Spritzen unter die Haut unterzogen hatten. Daraus geht hervor, dass eine Misteltherapie - hier mit Iscucin Salicis (Weidenmistel) - vermutlich die Anzahl der Rückfälle verringern kann. 
 

Blasenspülungen mit Mistel

Eine Studie an der HELIOS Marien Klinik in Duisburg unter Leitung von Dr. med. Achim Rose aus der Abteilung für Urologie beschäftigte sich mit der Frage, welche Höchstdosis noch tolerabel, sicher und effektiv ist, wenn Eschenmistel-Extrakt (hier: abnobaViscum) einmal wöchentlich sechs Wochen lang in ansteigender Dosierung in die Blase instilliert wird, um einen Rückfall zu vermeiden. Eingeschlossen wurden 36 Patienten mit nicht-muskelinvasivem Blasenkrebs. Die in der Blase vorhandenen Tumore waren jeweils zuvor über einen Eingriff durch die Harnröhre entfernt worden. Nur ein "Markierungs-Tumor" war zurückgelassen worden, um zu prüfen, wie dieser auf die Mistel-Spülungen reagiert. Dieser Markierungs-Tumor wurde zwölf Wochen nach Beginn der Misteltherapie ebenfalls entfernt und feingeweblich untersucht. Der sechswöchigen Behandlungsphase schloss sich eine Beobachtungsphase von einem Jahr an, während der alle zwölf Wochen eine Blasenspiegelung und Laboruntersuchungen gemacht sowie der Allgemeinzustand erfasst wurden. 

Die Ergebnisse: Es zeigte sich bis zum Erreichen der Maximaldosis von 675 Milligramm Mistelextrakt pro Spülung keine dosisbegrenzende Reaktion. Neben Lokalreaktionen gab es Hinweise, dass Fieber auftreten kann, das aber gut zu beherrschen war. Bei über der Hälfte der Patienten (55,6 Prozent) war der Markierungs-Tumor verschwunden. Das entspricht den Remissionsraten, die mit Zytostatika wie z.B. Mitomycin zu erreichen ist, die Misteltherapie hat aber deutlich weniger und weniger schwerwiegende Nebenwirkungen. Nach einem Jahr war bei 26,3 Prozent der Patienten ein Rückfall zu verzeichnen. Das entspricht der zu erwartenden Rate, die auch bei anderen Therapien anzunehmen ist. 

 

Letzte Aktualisierung: 30. November 2015
Annette Bopp 

 

Ein kleines bisschen Schnee ist auf den waagerecht verlaufenden Mistelblättern liegengeblieben – mitten zwischen den Blüten dieses Mistelbuschs.