Auf einen Blick

Rudolf Steiner entdeckte sowohl Analogien zwischen dem Wachstum von Tumoren und der Mistel, als auch Gegenkräfte in der Mistel, die sich bei Krebs heilsam auswirken können.

Rudolf Steiner und die Mistel als Heilpflanze in der Krebstherapie

Rudolf Steiner äußerte sich Ende 1916 gegenüber Ärzten erstmals zu den Möglichkeiten einer Behandlung von Krebs mit Mistelextrakten. Die Ärztin Dr. Ita Wegman (1876-1943) griff seine Anregungen auf und entwickelte 1917 gemeinsam mit einem Züricher Apotheker das erste Mistelpräparat Iscar, das 1926 in Iscador umbenannt wurde. Unter diesem Namen ist es bis heute im Handel und Marktführer unter den fünf verschiedenen anthroposophischen Mistelpräparaten.

Dass Steiner ausgerechnet die Mistel als Heilmittel bei Krebs empfahl, geht auf Parallelen zurück, die er zwischen dieser Pflanze und dem Wesen der Krankheit sah. In einem Vortrag sagte Steiner am 2. April 1920, bei der Mistel sei "die wirksame Natur irrsinnig geworden, sie macht alles zur Unzeit". Und weiter führte er aus: "Das ist gerade dasjenige, was man (...) benützen muss, wenn auf der anderen Seite der menschliche Organismus physisch irrsinnig wird, und das wird er ja zum Beispiel gerade in der Karzinombildung."

Bösartige Tumore sind nach anthroposophischer Auffassung Fehlbildungen, die zur falschen Zeit im falschen Maß am falschen Ort im menschlichen Körper wachsen. Ebenso ist die Mistel eine Pflanze, die - gemessen an den üblichen Gesetzmäßigkeiten der Botanik - am falschen Ort wächst (auf Bäumen, nicht in der Erde), zur falschen Zeit blüht und fruchtet (im Winter). Sie ernährt sich von dem, was der Baum, auf dem sie wächst, ihr zur Verfügung stellt. Auch ein Tumor ernährt sich von dem Körper, in dem er sich gebildet hat. Die Mistel spiegelt also gewissermaßen das Krebsgeschehen im Pflanzenreich, ohne jedoch eine zerstörerische Wirkung zu entfalten (hier erfahren Sie noch weitere Einzelheiten zu den botanischen Besonderheiten der Mistel).

Mehr noch: Sie stellt sogar eine Art Gegenbild zum Krebsgeschehen dar, indem sie all das, was die normalen Gestaltungskräfte im Organismus bewirken, negiert, und umgekehrt all das anstrebt, was den Organismus normalerweise nicht interessiert:

  • Normalerweise bilden Pflanzen Wurzeln, um sich damit in der Erde zu verankern, und diese Wurzeln haben die Tendenz, relativ schnell abzusterben. Die Mistel dagegen bildet einen "Senker", mit dem sie sich im Baum verankert. Dieser Senker bleibt jahrelang grün und hat keinerlei Tendenz, abzusterben.
  • Jede Pflanze ist bemüht, eine möglichst große Blattoberfläche auszubilden und diese auf der Oberseite für die Aufnahme von Licht bzw. an der Unterseite für die Abgabe von Kohlendioxid zu optimieren. Die Mistel dagegen lässt jährlich an jedem Zweig gerade mal zwei kleine, schmale Blättchen wachsen und gibt sich gar nicht erst die Mühe, zwei Schichten zu bilden - die Blätter sind an Ober- und Unterseite gleich.

Diese "Antitendenz" sowie ihre zeitlich und räumlich hochgradig organisierte Struktur prädestinieren die Mistel dazu, dem chaotisch wachsenden Tumor einen Kontrapunkt entgegenzusetzen und die Ordnungskräfte anzuregen. Zum Arzneimittel aufbereitet, stellt sie dem Organismus Kräfte zur Verfügung, die diesem im Rahmen einer Tumorerkrankung verloren gegangen sind.


Letzte Aktualisierung: 30. November 2015
Annette Bopp

Bogenförmiger MistelzweigWie ein Bogen ist dieser Mistelzweig geformt - und viele noch unreife Beeren haben sich an ihm gebildet.Rudolf SteinerRudolf SteinerIta WegmanIta WegmanMisteldrosselHoch oben im Baum zwischen den großen Mistelbüschen fühlt sich die Misteldrossel am wohlsten - da ist der Tisch reich gedeckt!Die Drossel scheidet die Mistelembryonen unzerstört wieder aus. Dank der zäh-klebrigen Fäden haften die Embryonen gut an einem Zweig und können austreiben.Ein Mistelembryo ist mit seiner klebrigen Hülle auf einem Apfelbaumzweig hängengeblieben und treibt nun aus.