Bar-Sela 2004 [1]

Studienbeschreibung

In der onkologischen Abteilung des Rambam Medical Center in Israel wurde eine Phase-II Studie zu Verträglichkeit und Einfluss der Misteltherapie beim fortgeschrittenen, metastasierten, 5-Fu-resistenten kolorektalen Karzinom durchgeführt. Behandelt wurde mit Abnobaviscum Quercus mit einer über 4 Wochen einschleichenden und dann üblichen Dosierung von max. 15 mg Pflanzenextrakt, 3/Woche, subkutan. Nach detailliertem Aufnahmebefund (körperlicher Befund, Blutbild, Elektrolyte, Leber- und Nierenwerte, Serum-CEA, CT des Abdomens und Beckens, der Lunge und Röntgen der Lunge) wurden alle 4 Wochen der körperliche Befund, Performance Status, Laborbefunde und Nebenwirkungen kontrolliert und alle 8 Wochen das Tumorverhalten entsprechend der WHO-Kriterien (inklusive CT) erhoben.

In die Studie eingeschlossen wurden 25 Patienten (15 Frauen, 10 Männer, median 69 Jahre) mit fortgeschrittenem, meist in Leber (72%), Peritoneum (40%), Lunge (40%) oder anderweitig (52%) metastasiertem kolorektalem Karzinom; die Metastasierung war median 15 (3-42) Monate vor Studienbeginn dokumentiert worden. Adjuvant waren 48% der Patienten mit einem 5-Fu-haltigen Regime vortherapiert, die metastatische Erkrankung war bei 20% der Patienten mit einem und bei 76% mit zwei oder mehr chemotherapeutischen Regimen vorbehandelt. Das mediane behandlungsfreie Intervall vor der Misteltherapie lag bei 3 (1-8) Wochen. Alle Patienten konnten ausgewertet werden.

Ergebnisse

Unter der Misteltherapie mit einer medianen Dauer von 14 (3-85) Wochen kam es zu keiner Tumorremission, zu einem stable disease bei 84% der Patienten (über 1,5-7 Monate, median 2,5 Monate), die bei 6 Patienten (24%) 4 oder mehr Monate anhielt, und zu einer Tumorprogression bei 16% der Patienten. Die mediane Überlebenszeit betrug 5,5 (1-20+) Monate. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Müdigkeit, Luftnot.

Nebenwirkungen waren mild: Schwellung und Rötung an der Injektionsstelle bei 10 (40%) Patienten, teils mit leichten Schmerzen, Temperaturerhöhung (

Resümee und Kommentar

Es handelt sich um eine relativ gut dokumentierte Studie. Die Studienautoren hatten nach Tumorremissionen gesucht, jedoch keine gefunden. Die Patienten hatten eine sehr fortgeschrittene Erkrankung, waren mehrfach chemotherapeutisch vorbehandelt, bis kurz vor Beginn der Misteltherapie; ob sie bis zu Beginn der Misteltherapie auf die kurz vorangegangenen Chemotherapien progredient gewesen waren, wird nicht erwähnt. Es handelt sich sicherlich um eine ungünstige Auswahl von Tumorpatienten mit schlechter Prognose. Dass es nicht zu Tumorremissionen kam, sondern hingegen zu (vorübergehendem) Stillstand und einer Verbesserung der Symptome, ist kein schlechtes, eher ein zu erwartendes Ergebnis; spektakuläre Tumorrückbildungen sind unter der üblichen niedrigen und subkutanen Dosierung eher selten, sie werden eher unter höher dosierter und/oder lokaler Therapie berichtet (siehe Kohortenstudien, oder z.B. Mabed 2004 [2], Matthes 2005 [4] oder Mahfouz 1999 [3]).

Dr. med. Gunver S. Kienle
September 2005

 

Literaturverzeichnis

[1] Bar-Sela, G. and N. Haim, Abnoba-viscum (mistletoe extract) in metastatic colorectal carcinoma resistant to 5-fluorouracil and leucovorin-based chemotherapy. Med Oncol 21, 251-254 (2004).

[2] Mabed, M., L. El-Helw and S. Sharma, Phase II study of viscum fraxini-2 in patients with advanced hepatocellular carcinoma. Br J Cancer 90, 65-69 (2004).

[3] Mahfouz, M. M., H. A. Ghaleb, M. R. Hamza, L. Fares, L. Moussa, A. Moustafua, A. El-Za Wawy, L. Kourashy, L. Mobarak, S. Saed, F. Fouad, O. Tony and A. Tohamy, Multicenter open labeled clinical study in advanced breast cancer patients. A preliminary report. Journal of the Egyptian Nat Cancer Inst 11, 221-227 (1999).

[4] Matthes, H., F. Schad, D. Buchwald and G. Schenk, Endoscopic Ultrasound-Guided Fine-NeedleInjection of Viscum Album L. (mistletoe; Helixor M) in the Therapy of Primary Inoperable Pancreas Cancer: a Pilot Study. Gastroenterology 128, 433, T 988 (2005).