Mahfouz 1999 [1]

Studienbeschreibung

An 9 ägyptischen, meist universitären oder militärischen Krebszentren wurde eine prospektive nicht-vergleichende Studie zur Brustkrebsbehandlung durchgeführt. Hier wurden 26 Patientinnen mit fortgeschrittener Brustkrebserkrankung, die bereits mit üblichen Verfahren behandelt worden waren und für die es keine weiteren Möglichkeiten konventioneller Tumortherapien (Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie oder Hormontherapie) gab, mit hoch dosierten Mistelextrakten behandelt. Von den 26 Patientinnen waren 11 prämenopausal und 15 Patienten postmenopausal erkrankt; 11 Patienten hatten Metastasen in der Leber, in der Lunge, im Knochen, in der Haut und/oder in Lymphknoten.
Die Patientinnen wurden einmal pro Woche mit Viscum Fraxini-2 behandelt. Der Mistelextrakt wurde von Anfang an hoch dosiert (1x45mg/Woche), er wurde lokal am Tumorort unter die Haut (subkutan) oder direkt in den Tumor injiziert. Die Therapiedauer betrug mindestens 16 Wochen, 18 der Patienten verlängerten die Therapie auf 18-136 Wochen. Primärer Endpunkt der Studie war das Tumorverhalten nach 16 Wochen.

Ergebnisse

Unter der Behandlung mit Abnobaviscum hatte sich nach 16 Wochen bei insgesamt 16 der 26 Patientinnen (62%) die Tumorerkrankung zurückgebildet: dabei handelte es ich bei 2 Frauen (8%) um komplette Remissionen , d.h. vollständige Tumorrückbildung, und bei 14 Patientinnen (54%) um teilweise Tumorrückbildung (partielle Remissionen); unverändert war die Tumorerkrankung bei 35% der Patientinnen geblieben und bei einer Patientin (4%) war sie weiter fortgeschritten. Zwischen den prä- und postmenopausalen Patientinnen zeigten sich hinsichtlich der Remissionen keine wesentlichen Unterschiede, mit der Ausnahme, dass die 2 vollständigen Tumorrückbildungen nur bei postmenopausalem Brustkrebs beobachtet worden waren. Unter den kompletten Remissionen waren auch Lungen-, Knochen-, Leber- und Lymphknotenmetastasen, jedoch schienen – soweit man dies bei der kleinen Fallzahl überhaupt beurteilen kann – Weichteilmetastasen besser zu reagieren als Knochenmetastasen. Auch eine Verbesserung der Lebensqualität wird berichtet (Verbesserung von Allgemeinzustand, Appetit, Schlaf, Verminderung von Schmerzen). Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.

Resümee und Kommentar

Auch in dieser Studie, wie in diversen weiteren Berichten aus Ägypten [2-5], zeigen sich ungewöhnlich hohe Tumorremissionen unter einer Misteltherapie, die von Anfang an hoch dosiert und entweder in Tumornähe oder direkt in den Tumor injiziert, und die aus chronobiologischen Überlegungen nur einmal pro Woche appliziert und über eine längeren Zeitraum (mindestens vier Monate) durchgeführt wurde. Die Ergebnisse sind interessant, sie sind mit den Ergebnissen präklinischer Forschung kompatibel und sollten weiter verfolgt werden. Die sofortige hohe Dosierung, ohne die sonst übliche einschleichende Dosierungsphase, hat vermutlich den Vorteil, die Antikörperbildung gegen relevante Mistelbestandteile zu umgehen, Nebenwirkungen sind jedoch theoretisch möglich, auch wenn sie nicht berichtet und nicht beobachtet wurden: so muss man insbesondere in den westlichen Ländern davon ausgehen, dass viele Menschen bereits zahlreiche pflanzliche Präparate eingenommen, und dass deshalb immer wieder Patienten bereits Kontakt mit Mistelextrakten gehabt haben, ohne dass dies ihnen bewusst sein muss; hierdurch könnte eine Sensibilisierung stattgefunden haben, die Überreaktionen nach sich zieht. Auch dürften die Lokalreaktionen und die grippeähnlichen Symptome auf die hoch dosierte Mistelextraktinjektion ausgeprägter sein.

Dr. med. Gunver S. Kienle
März 2009

Literaturverzeichnis

(1) Mahfouz MM, Ghaleb HA, Hamza MR, Fares L, Moussa L, Moustafua A et al. Multicenter open labeled clinical study in advanced breast cancer patients. A preliminary report. Journal of the Egyptian Nat.Cancer Inst. 11[3], 221-227. 1999.
(2) Mahfouz MM, Ghaleb HA, Zawawy A, Scheffler A. Significant tumor reduction, improvement of pain and quality of life and normalization of sleeping patterns of cancer patients treated with a high dose of mistletoe. Annals of Oncology 9[S2], 129. 1998.
(3) Werner H, Mahfouz MM, Fares L, Fouad F, Ghaleb HA, Hamza MR et al. Zur Therapie des malignen Pleuraergusses mit einem Mistelpräparat. Der Merkurstab 52[5], 298-301. 1999.
(4) Mabed M, El-Helw L, Sharma S. Phase II study of viscum fraxini-2 in patients with advanced hepatocellular carcinoma. British Journal of Cancer 90, 65-69. 2004.
(5) Saied WEM, Shamaa SSA, Mabed M. Chemotherapy of hepatocellular carcinoma. Thesis Mansourana University Faculty of Medicine. 2003.