Literaturverzeichnis

Das Literaturverzeichnis für alle systematischen Reviews klinischer Studien zur Misteltherapie bei onkologischen Erkrankungen zum Download.

Systematische Übersichten klinischer Studien
zur Misteltherapie bei onkologischen Erkrankungen

Zur Misteltherapie onkologischer Erkrankungen gibt es viele Übersichten (z. B. [1, 2, 3, 4, 6, 7, 8, 9, 10a, 11-14, 16]) mit mehr oder weniger systematischer Methodik. Einige dieser Übersichten sind bereits deutlich veraltet [3, 10a, 12, 16], die anderen werden im Folgenden dargestellt. Die Darstellung bezieht sich nur auf Übersichten zu Studien mit klinisch relevanter onkologischer Fragestellung, d. h. Studien zu Immunstimulation, zu Verträglichkeit oder zu anderen Indikationen sind ausgeschlossen.

Folgende Reviews liegen vor:

National Cancer Institute 2009 [13]

Zusammenfassung: Alle Mistelpräparate, alle Studientypen, keine systematische Methodik angegeben, keine kriteriengestützte Qualitätsbewertung, insgesamt 35 (37) Studien gefunden; viele, insbesondere aktuelle Studien fehlen.

Review: Vom National Cancer Institute am National Institute of Health in Bethesda, Maryland wurde eine ausführliche Übersicht zur Mistelforschung erstellt und auf der Institutswebseite publiziert; eine kontinuierliche Aktualisierung ist angegeben. Die Übersicht beinhaltet auch eine tabellarische Auflistung klinischer Mistelstudien mit längerer Diskussion. Es fehlen jedoch die Charakteristika eines systematischen Reviews, insbesondere die Angabe von Suchstrategie, Einschlusskriterien sowie Kriterien und Vorgehen der Qualitätsbeurteilung. Das Spektrum der Studien umfasst alle Studientypen, inklusive einem Fallbericht. Tabellarisch aufgeführt werden 29 Studien zu anthroposophischen Mistelpräparaten (und zwei weitere im Text) und 7 Studien zu nicht-anthroposophischen Mistelpräparaten. Die Übersicht beschreibt das überwiegend gute Abschneiden der Misteltherapie; global kritisiert werden an den Studien folgende Punkte: oft kleine Fallzahlen, hohe Verlustraten von Patienten (Drop-out, Protokollverletzungen, etc.), fehlende Verblindung, oft ungenügende Spezifizierung der Mistelgabe (Wirtsbaum, Therapiedauer und -pausen), teilweise fehlende oder nur historische Vergleichsgruppe, teils inadäquate Randomisationsverfahren, oft Angabe von mittlerer statt von medianer Überlebenszeit. Diese Schwächen schränken die Zuverlässigkeit der Daten ein.

Kommentar: Ein Abschnitt zu präklinischer Mistelforschung beschreibt viele wichtige Bereiche. Die Studienübersicht tabelliert die Studien systematisch, ist jedoch ansonsten keine klassische systematische Übersichtsarbeit; es fehlen eine transparente Systematik von Literatursuche, -auswahl, Qualitätsbewertung und die Angabe der Autoren. Die Studienübersicht ist unvollständig, was wohl auch daran liegen dürfte, dass viele der Studien auf Deutsch publiziert wurden und dass die Publikationen oft nicht, insbesondere nicht in internationalen Datenbanken gelistet sind. Trotz kürzlichem Aktualisierungsdatum der Übersicht fehlen aber auch Studien der letzten Jahre, die teilweise eine deutlich verbesserte Methodik aufweisen und überwiegend in gängigen Datenbanken wie Medline gelistet sind. Die vorgebrachte Kritik ist teilweise berechtigt, zumal was ältere Studien betrifft, teils werden aber auch Marginalien ohne Auswirkung auf die Validität der Studien kritisiert; teilweise ist die Kritik diskussionsbedürftig (z. B. ist die angebliche generell größere Zuverlässigkeit des Medianwertes gegenüber dem Mittelwert statistisch nicht legitimiert).

Cochrane Review 2008 [2]

Zusammenfassung: Alle Mistelpräparate, randomisierte Studien, systematische Methodik, kriteriengestützte Qualitätsbewertung, 21 Studien gefunden; viele, insbesondere aktuelle Studien fehlen.

Review: Ein Cochrane-Review wurde zur Therapie mit Mistelextrakten – anthroposophische und phytotherapeutische – erstellt. 13 elektronische Datenbanken und Literaturverzeichnisse wurden durchsucht. Es wurden publizierte und nicht-publizierte Studien aufgenommen. Die methodische Qualität der Studien wurde mittels Jadad Score und einer Delphi-Liste bewertet. Insgesamt wurden 21 Studien gefunden, 13 davon untersuchten das Überleben, 7 das Tumorverhalten, 16 die Lebensqualität und die Nebenwirkungen der Chemotherapie. Generell wurde die Qualität der Studien als nicht sehr hoch bewertet. Es gebe eine gewisse Evidenz, dass Mistelextrakte bei Brustkrebspatientinnen die Lebensqualität unter gleichzeitiger Chemotherapie verbessere, hierfür würden aber weitere Untersuchungen benötigt. Die Evidenz bezüglich eines Einflusses der Misteltherapie auf die Überlebenszeit und auf das Tumorverhalten sei hingegen schwach. Es würden unabhängige klinische Studien benötigt, die auf hohem methodischen Niveau die Wirksamkeit und Sicherheit der Mistelextrakte untersuchen.

Kommentar: Dieses Review ist nicht vollständig und nicht aktuell, es fehlen 9 RCTs, außerdem eine Re-Analyse einer RCT, ein HTA-Bericht, ein systematisches Review und eine Meta-Analyse. Die Sachbeurteilungen sind in sich oft nicht konsistent und teilweise fehlerhaft; der Bewertungsformalismus ist inadäquat. Eine Stellungnahme hierzu kann eingesehen werden. [9a]

Kienle & Kiene 2007 [7]

Zusammenfassung: Anthroposophische Mistelpräparate, alle prospektiven klinischen Studien, systematische Methodik, detaillierte kriteriengestützte Qualitätsbewertung, 37 Studien gefunden, tabellarische und diskutierende Übersicht.

Review: Das Review basiert auf dem Health-Technology-Assessment (HTA)-Report zur Anthroposophischen Medizin (siehe Kienle et al. 2005, 2006 [8, 9]) und wurde für die vorliegende Publikation aktualisiert. Es wurden nur Studien zu Mistelpräparaten anthroposophischer Herstellung einbezogen und nur prospektive Studien – vergleichend und nicht-vergleichend – aufgenommen. Qualitätsbeurteilung und Datenextraktion entsprechen dem früheren Protokoll.

9 elektronische Datenbanken, private Datenbanken und alle verfügbaren Literaturverzeichnisse wurden durchsucht, Experten und Mistelhersteller bezüglich weiterer Referenzen befragt. Systematik von Suche, Studienauswahl, Qualitätsbewertung sind beschrieben. Gefunden wurden 37 prospektive klinische Studien, 25 dieser Studien sind prospektiv vergleichend, davon 16 randomisiert, 12 sind prospektive Kohortenstudien ohne Vergleichsgruppe (inklusive Phase II Studien). Im Ergebnis zeigen die Studien überwiegend einen Vorteil für die Misteltherapie. Die Qualität der Studien variiert sehr, manche Studien zeigen erhebliche Schwächen, andere wurden mit guter Qualität durchgeführt und beschrieben. Berücksichtigt man die Qualität bzw. die potentiellen Schwächen der einzelnen Studie, so erscheint eine Verminderung der Nebenwirkungen konventioneller onkologischer Therapien (Chemotherapie, Strahlentherapie, Operation) am besten belegt. Sehr wahrscheinlich ist auch generell eine Verbesserung der Lebensqualität. Gut belegt ist, dass durch Injektion von Mistelextrakten Tumorremissionen induziert werden können; solche Tumorremissionen scheinen aber abhängig von der Dosierung und der Applikationsart und bei der üblichen, niedrig dosierten Misteltherapie eher Ausnahmen zu sein. Eine Verbesserung der Überlebenszeit unter Misteltherapie ist möglich, sie scheint neben der Dosierung, Wirtsbaum- und Präparatewahl von der Dauer der Misteltherapie abhängig.

Kommentar: Dies ist die derzeit aktuellste vollständige systematische Übersicht zu prospektiven klinischen Studien zur anthroposophischen Misteltherapie. Nicht erfasst sind allerdings Studien zu nicht-anthroposophischen Präparaten.

DIMDI HTA-Bericht 2006 [11]

Zusammenfassung: Alle Mistelpräparate, randomisierte Studien, nur Kombinationstherapie Mistel & Chemotherapie, systematische Methodik, kriteriengestützte Qualitätsbewertung mit Jadad Score und weiteren Prüflisten, 8 Studien gefunden.

Review: Im Auftrag der Deutschen Agentur für Health Technology Assessment (DAHTA) des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) wurde ein HTA-Bericht zur Misteltherapie bei Chemotherapie zur Kombinationstherapie mit Mistelextrakten (anthroposophische und phytotherapeutische) und Chemotherapie durchgeführt, mit der Hauptfragestellung der Verbesserung der Lebensqualität und Verminderung von Chemotherapie-bedingter Toxizität. 3 große elektronische Datenbanken, Literaturverzeichnisse und relevante Kongressbände wurden durchsucht und Hersteller von Mistelpräparaten nach Literaturstellen befragt. Es wurden publizierte und nicht-publizierte Artikel aufgenommen. Die methodische Qualität der Studien wurde mittels Jadad Score und weiteren Prüflisten bewertet. Insgesamt wurden 8 Studien gefunden. Häufigkeit und Schweregrad Chemotherapie-bedingter Nebenwirkungen sei in keiner der Studien primäres Zielkriterium gewesen; indirekte Ergebnisse seien widersprüchlich. Es könne deshalb hinsichtlich dieser Fragestellung keine klare Antwort gegeben werden. Hinsichtlich der Lebensqualität gäbe es Hinweise auf einen positiven Einfluß durch Mistellektin-I normierte Mistelpräparate.

Kommentar: Dieses Review behandelt eine für die Misteltherapie insgesamt randständige Frage. Das Review ist nicht vollständig, relevante Arbeiten wurden nicht berücksichtigt, der Bewertungsformalismus ist fragwürdig. Spezielle Expertise zur Mistelforschung war an der Erstellung nicht beteiligt, was eine Reihe von Fehlern des HTA-Berichts erklärt. Ein Gutachten [9b] hierzu kann eingesehen werden.

Kienle et al. 2005, 2006 [8, 9]

Zusammenfassung: Anthroposophische Mistelpräparate, alle Studientypen, systematische Methodik, detaillierte kriteriengestützte Qualitätsbewertung, 90 (aktualisiert 94) Studien gefunden, tabellarische und diskutierende Übersicht.

Review: Das Review wurde durchgeführt im Kontext eines Health-Technology-Assessment (HTA)-Reports zur Anthroposophischen Medizin, im Rahmen des Schweizer Programm Evaluation Komplementärmedizin (PEK). Hier wurden nur Studien zu Mistelpräparaten anthroposophischer Herstellung einbezogen. Zwei bereits vorhandene systematische Reviews (Kienle et al. 2003 [4] und Kienle & Kiene 2003 [6]) wurden in diesen HTA-Bericht inkorporiert; sie wurden aktualisiert und die neu hinzugekommenen Studien hinsichtlich Qualitätsbeurteilung und Datenextraktion entsprechend dem früheren Protokoll bearbeitet. Der HTA-Bericht [8] wurde entsprechend für eine Buchpublikation aktualisiert [9].

12 elektronische Datenbanken, vier private Datenbanken und alle verfügbaren Literaturverzeichnisse wurden durchsucht und etwa 160 Experten befragt. Systematik von Suche, Studienauswahl, Qualitätsbewertung sind beschrieben. Gefunden wurden 90 (aktualisiert 94) klinische Studien, 22 (aktualisiert 23) dieser Studien sind prospektiv vergleichend, davon 14 randomisiert, 31 sind Kohortenstudien (aktualisiert 34) ohne Vergleichsgruppe, 37 Studien sind retrospektiv vergleichend. Im Ergebnis zeigen die Studien überwiegend einen Vorteil für die Misteltherapie. Die Qualität der Studien variiert sehr, manche Studien zeigen erhebliche Schwächen, andere wurden mit guter Qualität durchgeführt und beschrieben. Berücksichtigt man die Qualität bzw. die potentiellen Schwächen der einzelnen Studie, so erscheint eine Verminderung der Nebenwirkungen konventioneller onkologischer Therapien (Chemotherapie, Strahlentherapie, Operation) am besten belegt. Sehr wahrscheinlich ist auch generell eine Verbesserung der Lebensqualität. Gut belegt ist, dass durch Injektion von Mistelextrakten Tumorremissionen induziert werden können; solche Tumorremissionen scheinen aber abhängig von der Dosierung und der Applikationsart und sie scheinen bei der üblichen, niedrig dosierten Misteltherapie eher Ausnahmen zu sein. Eine Verbesserung der Überlebenszeit unter Misteltherapie ist möglich, sie scheint neben der Dosierung, Wirtsbaum- und Präparatewahl von der Dauer der Misteltherapie abhängig. Zu den Details der Ergebnisse siehe auch Klinische Studien.

Kommentar: Als Ergänzung der Übersicht von Kienle & Kiene 2003 [6] ist dies die bislang vollständigste Übersicht zu klinischen Studien, mit detaillierter Begründung der kritischen Bewertung der jeweiligen Studie. Nicht erfasst sind allerdings Studien zu nicht-anthroposophischen Präparaten, die nach 2003 publiziert wurden oder unpubliziert sind.

Kienle et al. 2003 [4]

Zusammenfassung: Alle Mistelpräparate, prospektiv vergleichende Studien, systematische Methodik, detaillierte kriteriengestützte Qualitätsbewertung, 23 Studien gefunden, tabellarische und diskutierende Übersicht.

Review: Ein systematisches Review zu prospektiv kontrollierten klinischen Studien wurde von einer internationalen Arbeitsgruppe durchgeführt. Für die Studiensuche wurden 11 elektronische Datenbanken und alle verfügbaren Literaturverzeichnisse durchsucht und Experten und Hersteller von Mistelpräparaten befragt. Systematik von Suche, Studienauswahl, Qualitätsbewertung sind beschrieben. Gefunden wurden insgesamt 23 prospektiv vergleichende Studien, davon waren 16 randomisiert, 2 quasi-randomisiert und 5 nicht-randomisiert. 17 Studien waren zu anthropoosphischen Präparaten (14 mal Iscador, 3 mal Helixor), 6 zu phytotherapeutischen Präparaten (Eurixor). Eine unabhängige kriterien-gestützte Bewertung der Studienqualität wurde durchgeführt. Die Kriterien beurteilten Prozeduren zum Ausschluss wichtigster Biasfaktoren, generelle Verfahren guter klinischer Methodologie und Transparenz der Publikation. Die Qualität der gefundenen Studien variierte sehr, und war insbesondere in älteren Studien oft ungenügend. Aufgrund der Heterogenität der Studien wurde keine quantitative, sondern eine nicht-quantitative Analyse und Darstellung der Daten durchgeführt. Die meisten Studien zeigten positive Ergebnisse, jedoch gab es hinsichtlich der Qualität bei einer Reihe von Studien deutliche Probleme. Neuere, besser durchgeführte Studien legen aber positive Wirksamkeit der Misteltherapie nahe.

Kommentar: Bislang vollständigste Übersicht über prospektiv vergleichende Studien.

Kienle & Kiene 2003 [6]

Zusammenfassung: Alle Mistelpräparate, alle Studientypen, systematische Methodik, detaillierte Qualitätsbewertung, 89 Studien gefunden, tabellarische Übersicht und Diskussion jeder einzelnen Studie.

Review: Dieses systematische Review wurde zu allen Studientypen durchgeführt, nicht nur zu prospektiv vergleichenden Studien. Das oben genannte Review Kienle et al. 2003 [4] wurde in diese Übersicht integriert. Für die Studiensuche wurden 11 elektronische Datenbanken und alle verfügbaren Literaturverzeichnisse durchsucht und Experten und Hersteller von Mistelpräparaten befragt. Systematik von Suche, Studienauswahl, Qualitätsbewertung sind beschrieben. Gefunden wurden insgesamt 89 klinische Studien. Hiervon waren 23 prospektiv vergleichende Studien (davon 16 randomisiert, 2 quasi-randomisiert und 5 nicht-randomisiert), 37 waren Kohortenstudien (ohne Vergleichsgruppe, davon 9 prospektiv, 24 retrospektiv und 4 unklar) und 29 Studien waren retrospektiv vergleichend. Eine unabhängige kriteriengestützte Bewertung der Studienqualität wurde durchgeführt. Die Kriterien beurteilten Prozeduren zum Ausschluss wichtigster Biasfaktoren, generelle Verfahren guter klinischer Methodologie und Transparenz der Publikation. Für die unterschiedlichen Studientypen wurden je spezifische Qualitätskriterien angewandt. Die gefundene Qualität der Studien variierte sehr, und war insbesondere in älteren Studien oft ungenügend. Die meisten Studien zeigten positive Ergebnisse, jedoch gab es hinsichtlich der Qualität bei einer Reihe von Studien deutliche Probleme. Neuere, besser durchgeführte Studien legen gleichfalls eine positive Wirksamkeit der Misteltherapie nahe.

Kommentar: Bislang vollständigste Übersicht über klinische Studien zur anthroposophischen und nicht-anthroposophischen Misteltherapie. Nicht berücksichtigt sind klinische Studien, die ab 2003 publiziert wurden, ebenso nicht-publizierte klinische Studien.

Ernst et al. 2003 [1]

Zusammenfassung: Alle Mistelpräparate, nur randomisierte klinische Studien, Qualitätsbewertung mit Jadad-Score, 10 Studien gefunden; tabellarische und inhaltliche Diskussion. Unvollständig, schlichter Bewertungsmodus.

Review: Ein systematisches Review zu randomisierten klinischen Studien aller Mistelpräparate. 8 elektronische Datenbanken wurden durchsucht, Hersteller von Mistelpräparaten und andere Experten befragt und Literaturverzeichnisse von Übersichtsartikeln durchgesehen. Einschluss- und Ausschlusskriterien für die Studien werden genannt. Eine Qualitätsbewertung wurde nach dem Jadad-Score durchgeführt (bewertet das Vorliegen von Randomisation, Verblindung und Drop-out). Gefunden wurden 10 Studien, tabellarisch aufgeführt 13 Studien. Die Qualitätskriterien des eingesetzten Jadad-Scores wurden von den meisten Studien nur unzureichend erfüllt; es wurde deshalb geschlossen, dass die Studien die Wirksamkeit der Misteltherapie nicht belegen.

Kommentar: Von den 13 tabellarisch aufgeführten Studien sind 3 doppelt aufgeführt (Kleeberg et al. 1999 [10], Schaefer und Wetzel 2000 [17], Steuer-Vogt 2001 [15]), so dass das Review letztlich nur 10 Studien umfasst; hiervon betrafen 4 Studien anthroposophische Mistelpräparate, so dass nur ein Drittel der 12 damals publizierten und potentiell in Frage kommenden randomisierten Studien zu anthroposophischen Mistelextrakten erfasst waren. 2 der betreffenden RCTs hatte Ernst wegen Mangel an Verständnis für das Studiendesign explizit ausgeschlossen, was jedoch nicht den Einschluss- und Ausschlusskriterien des Reviews entsprach. Es ist dementsprechend unvollständig. Ob die Bewertung mit dem schlichten Jadad-Score sinnvoll ist, ist diskussionswürdig, da er nur drei Studienaspekte bewertet: Randomisation, doppelte Verblindung und Dropouts. Diese Beschränkung erleichtert zwar das Bewertungsverfahren für die Reviewer, übergeht aber viele wichtige Studiendetails. Da sich beim Überprüfen anderer Publikationen der Studienautoren erhebliche Fehler zeigten [5, 6a], ist auch hier vorsichtige Interpretation angebracht.

Stauder & Kreuser 2002 [14]

Zusammenfassung: Nur nicht-anthroposophische Präparate, prospektive klinische und immunologische Studien, keine systematische Methodik angegeben, keine kriteriengestützte Qualitätsbewertung; 6 klinische Studien gefunden, tabellarische und inhaltliche Darstellung und Diskussion.
Review: Eine Übersicht über prospektive klinische und über immunologische Studien zu nicht-anthroposophischen Präparaten wurde von Stauder und Kreuser 2002 publiziert. Die Methodik des Reviews ist nicht beschrieben, eine kriteriengestützte Qualitätsbeurteilung wurde nicht durchgeführt. 7 Studien zu immunologischen Endpunkten und 6 Studien zu klinischen Fragestellungen wurden gefunden, wobei identische Studien beiden Kategorien zugeordnet werden. Von den 6 klinischen Studien sind 5 prospektiv vergleichende Studien, 1 Kohortenstudie wurde ohne Vergleichsgruppe durchgeführt. Die Studien werden tabellarisch aufgeführt und einzeln diskutiert. Auf methodische Probleme der meisten klinischen Studien wird hingewiesen; die beiden methodisch besten Studien (Steuer-Vogt et al. 2001 [15], Wetzel & Schäfer 2000 [17]) haben widersprechende Ergebnisse, weshalb die Wirksamkeit der nicht-anthroposophischen Mistelpräparate als nicht erwiesen, aber auch nicht als ausgeschlossen diskutiert wird.

Kommentar: Diese Übersicht erfasst nur nicht-anthroposophische Präparate. Die Autoren betonen, nur standardisierte Präparate berücksichtigt und deshalb die anthroposophischen Präparate ausgeschlossen zu haben. Der Begriff der Standardisierung wird jedoch oft verwechselt mit dem der Normierung: Über ein standardisiertes Herstellungsverfahren (Prozessstandardisierung), das eine gleich bleibende Zusammensetzung aller wesentlichen Inhaltsstoffe gewährleisten soll (innerhalb bestimmter Toleranzgrenzen), verfügen alle Hersteller onkologischer Mistelpräparate. Die nicht-anthroposophischen Mistelpräparate Eurixor und Lektinol sind jedoch klassischerweise normiert, d. h. eingestellt auf einen definierten Inhaltsstoff, der als wirksamkeitsbestimmend angesehenen wird (ML I), ggf. unter Zugabe der betreffenden Substanz; dies allein gewährleistet jedoch keineswegs eine konstante Konzentration der übrigen (zahlreichen) Inhaltstoffe des Pflanzenextrakts. [1a] Eine kriteriengestützte Qualitätsbeurteilung der Studien wurde nicht durchgeführt; die methodischen Probleme der immunologischen Studien [6b] wurden nicht diskutiert.

Dr. med. Gunver S. Kienle
Letzte Aktualisierung:
März 2009

Literaturverzeichnis

[1] Ernst, E., K. Schmidt and M. K. Steuer-Vogt, Mistletoe for cancer? A systematic review of randomized clincial trials. Int J Cancer 107, 262-267 (2003).

[1a] Gaedcke, F. and B. Steinhoff, Phytopharmaka. Wissenschaftliche und rechtliche Grundlagen für die Entwicklung, Standardisierung und Zulassung in Deutschland und Europa., pp. 1-184, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart 2000.

[2] Horneber M. A., G. Bueschel, R. Huber, K. Linde, M. Rostock: Mistletoe in oncology (Review). Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 2. Art. No.: CD003297. DOI: 10.1002/14651858.CD003297.pub2. (2008)

[3] Kiene, H., Klinische Studien zur Misteltherapie karzinomatöser Erkrankungen. Eine Übersicht. Therapeutikon 3, 347-353 (1989).

[4] Kienle, G. S., F. Berrino, A. Büssing, E. Portalupi, S. Rosenzweig and H. Kiene, Mistletoe in cancer - a systematic review on controlled clinical trials. Eur J Med Res 8, 109-119 (2003).

[5] Kienle, G. S., H. J. Hamre and H. Kiene, Anthroposophical Medicine: A systematic review of randomised clinical trials. Wiener klinische Wochenschrift 116, 11-12 (2004).

[6] Kienle, G. S. and H. Kiene, Die Mistel in der Onkologie - Fakten und konzeptionelle Grundlagen, Schattauer Verlag, Stuttgart, New York 2003.

[6a] Kienle, G. S. and H. Kiene, Verträglichkeit, Nebenwirkungen, Überempfindlichkeitsreaktionen, Toxizität. In Die Mistel in der Onkologie. Fakten und konzeptionelle Grundlagen. pp. 591-607, Schattauer Verlag, Stuttgart, New York 2003.

[6b] Kienle, G. S. and H. Kiene, Stellenwert, Dosierung und Gefährlichkeit (Tumorenhancement) des ML I - immunologische Schlußfolgerungen und experimentelle Untersuchungen. In Die Mistel in der Onkologie. Fakten und konzeptionelle Grundlagen. pp. 301-332, Schattauer Verlag, Stuttgart, New York 2003.

[7] Kienle GS, Kiene H. Complementary Cancer Therapy: A Systematic Review of Prospective Clinical Trials on Anthroposophic Mistletoe Extracts. Eur J Med Res 12, 103-19 (2007). Originalartikel zum Download als pdf-Datei

[8] Kienle, G. S., Kiene, H. and Albonico, H. U. Health Technology Assessment Bericht Anthroposophische Medizin. Erstellt im Rahmen des Programm Evaluation Komplementärmedizin (PEK) des Schweizer Bundesamtes für Sozialversicherung. 2005. Download des HTA-Berichts: www.ifaemm.de

[9] Kienle, G. S., H. Kiene and H. U. Albonico, Anthroposophische Medizin in der klinischen Forschung. Wirksamkeit, Nutzen, Wirtschaftlichkeit, Sicherheit, Schattauer Verlag, Stuttgart, New York 2006.

[9a] Kienle, G.S., H. Kiene, Stellungnahme zu: Mistletoetherapy in Oncology (Cochrane Review 2008). (2008) Stellungnahme zum Download als pdf

[9b] Kienle, G. S., H. Kiene, Gutachten zum HTA-Bericht 44 der Deutschen Agentur für Health Technology Assessment (DAHTA) des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) „Misteltherapie als begleitende Behandlung zur Reduktion der Toxizität der Chemotherapie maligner Erkrankungen", IFAEMM Freiburg/Bad Krozingen, 2006. Gutachten zum Download als pdf-Datei

[10] Kleeberg, U. R. Adjuvant trial in melanoma patients comparing rIFN- to rIFN- to Iscador to a control group after curative resection of high risk primary (>3MM) or regional lymphnode metastasis (EORTC 18871). European Journal of Cancer 35[Suppl.4], S82. 1999.

[10a] Kleijnen, J. and P. Knipschild, Mistletoe treatment for cancer - review of controlled trials in humans. Phytomedicine 1, 255-260 (1994).

[11] Lange- Lindberg, A. M., M. Velasco-Garrido, R. Busse, Misteltherapie als begleitende Behandlung zur Reduktion der Toxizität der Chemotherapie maligner Erkrankungen HTA-Bericht Nr. 44, DIMDI, 2006.
Lange-Lindberg, A. M., M. Velasco Garrido, R. Busse, Misteltherapie als begleitende Behandlung zur Reduktion der Toxizität der Chemotherapie maligner Erkrankungen. GMS Health Technol Assess 2006; 2:Doc18 (20060919). 2006.

[12] Matthiessen, P. F. and W. Tröger, Die Misteltherapie des Krebses. In Kombinierte Tumortherapie. (Ed. H. Wrba) pp. 271-290, Hippokrates Verlag, Stuttgart 1995.

[13] National Cancer Institute. Mistletoe extracts (PDQ®). 2009. cancernet.nci.nih.gov/cancertopics/pdq/cam/mistletoe/HealthProfessional/page1

[14] Stauder, H. and E.-D. Kreuser, Mistletoe extracts standardised in terms of mistletoe lectins (ML I) in oncology: current state of clinical research. Onkologie 25, 374-380 (2002).

[15] Steuer-Vogt, M. K., V. Bonkowsky, P. Ambrosch, M. Scholz, A. Neiß, J. Strutz, M. Hennig, T. Lenartz and W. Arnold, The effect of an adjuvant mistletoe treatment programme in resected head and neck cancer patients: a randomised controlled clinical trial. Eur J Cancer 37, 23-31 (2001).

[16] University of Texas Center for Alternative Medicine Research in Cancer. Mistletoe. 1999.

[17] Wetzel, D. and Schäfer, M. Results of a randomised placebo-controlled multicentre study with PS76A2 (standardised mistletoe preparation) in patients with breast cancer receiving adjuvant chemotherapy. Phytomedicine Supplement II, 34. 2000.